Saint Etienne
Saint Etienne haben mit ihrem Gesamtwerk die landläufige Einschätzung pulverisiert, eingängige Popmusik müsse seicht sein. Mit ihren oft fast literarisch anmutenden Lyrics haben sie den Grundverdacht tanzbarer Popmusik zerlegt – nämlich den, dass man auf dem Weg zur Tanzfläche einen Teil des Gehirns an der Garderobe abgeben müsse. Mit ihrer melancholischen Grundstimmung, die in den Keyboardsounds, den Beats, den Lyrics und den Samples gleichermaßen mitschwingt, haben sie ein für allemal klargestellt, dass auch elektronische Musik Seele haben kann.
Ende letzten Jahres erschien ihre Best-of-Kollektion „London Conversations“, die noch einmal in all ihrer Pracht zeigte, was für Songperlen Sarah Cracknell, Bob Stanley und Pete Wiggs uns in ihrer rund 18jährigen Karriere beschert haben: Sei es die Pianoballade „Hobart Paving“, die manch einer als das Cover „Don’t Forget To Catch Me“ aus dem Film „Bandits“ kennt, sei es die frühe Single „Join Our Club“, die einen mit warmen Housebeats in den Arm nimmt und auf die Tanzfläche führt, sei es der wunderbare Folktronica-Track „Hug My Soul“, der sogar mit Flötensounds aufwarten kann – Saint Etienne haben viele Gesichter, die sie nun endlich einmal wieder live präsentieren werden. Da macht man sich doch gerne schick, selbst wenn man weiß, dass man an Sarah Cracknells Grandezza nie im Leben heranreichen wird.





