Berlin Debate 2012 – Wir haben kopiert!

Erstmals findet auf dem Berlin Festival eine öffentliche Debatte statt. Mit dem Thema »Urheberrecht« nehmen sich die Veranstalter des wichtigsten soziokulturellen Diskursthemas unserer Tage an. Freuen wir uns also auf eine hitzige Diskussion über den Wert des geistigen Eigentums.

 

Die Urheberrechtsdebatte tobt. Die einen bedienen sich im Internet ganz im Zeichen von »Geiz ist geil« per Filesharing kostenneutral und klauben ihr digitales Unterhaltungsprogramm zusammen. Die anderen fürchten um ihr Recht am sogenannten geistigen Eigentum und vor allem um das der Bezahlung für ihre künstlerischen Werke oder kreativen Leistungen wie bei- spielsweise Filme, Musik oder Fotografien und fordern ein striktes Einhalten der bestehenden Gesetze. »Die Verletzung urheberrechtlich geschützter Inhalte ist keine Bagatelle«, sagt Dieter Gorny, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Musikindustrie in einem Interview mit dem deutschen Wirtschaftsmagazin Brand Eins mit Verweis auf illegale Downloads. Andere fordern eine komplette Überarbeitung des bestehenden Systems – und damit einen Paradigmenwechsel. »Auch wir haben aber dazugelernt. Es geht uns jetzt um eine gerechte Entlohnung von Künstlern. Die sollen verdienen, nicht die großen Plattenmultis und Verwertungsgesellschaften«, erklärt Bruno Kramm, der Urheberrechts-Experte der Piraten.
Allein: Irgendetwas läuft in der Diskussion falsch. Von Deichkind bis Jan Delay – subtile Kritik am bestehenden System gibt es reichlich. Aber explizit zu werden wagen nur wenige. Es scheint da ein Naturgesetz zu geben: Wer Urheberrecht sagt, kommt im Shitstorm um. Letztes Beispiel: Sven Regener, dessen Wutrede in einem Radiointerview mit dem Bayrischen Rundfunk hinsichtlich der Missachtung seiner Rechte als Urheber mit massivem Online-Bashing geahndet wurde. Und dies völlig losgelöst davon, dass die Umsätze der Plattenfirmen von 2001 bis 2011 von 2,2 auf 1,48 Milliarden Euro zurückgegangen sind.

 

Apropos Umsätze: Längst haben sich professionelle Abmahn-Anwälte auf das Ahnden von illegalen Downloads spezialisiert. Der Abmahn-Wahn hat Methode und ist zu einem eigenständigen Geschäftsfeld geworden, beschert er doch gerade den großen Rechte-Inhabern unverhofft Mehreinnahmen.
»Diese Praxis, ungeheuren Druck aufzubauen, ist ein Symptom unserer Zeit und ein Zeichen dafür, dass wir eine Überarbeitung des bestehenden Rechts brauchen, wobei man dabei nicht das Kind mit dem Bade ausschütten sollte«, sagt Rechtsanwalt Dr. Michael Jean Kummermehr, Partner bei der Kanzlei Wegner Ullrich Müller-Helle, und befindet: »Die Konsequenz kann nicht sein, das Urheberrecht als Teil des verfassungsrechtlich geschützten Eigentums in Frage zu stellen.«

 

Hier setzt die Berlin Debate an und bringt sämtliche Beteiligte zusammen auf eine Bühne zu einer Diskussion: Künstler, Politik, Downloader und Juristen. »Wir haben kopiert!« ist eine Debatte, die auf politisches Getöse verzichtet – und sich mit sämtlichen Beteiligen auf die Suche nach der Antwort auf folgende Frage macht: »Was ist uns geistiges Eigentum wert?«

 

Die erste Berlin Debate findet am 8. September um 16:00 Uhr auf der Berlin Music Week Stage im Rahmen des Berlin Festival 2012 statt.

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